1 Eupen, 30. März 2017 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeEvaluation des Pilotprojekts zur zweisprachigen vorschulischen Bildung in der DG Belgien Präsentation des Abschlussberichts Eupen, 30. März 2017 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
2 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeInhalte im Überblick Theoretische Einführung Pilotprojekt in der DG Belgien Fragestellungen der Evaluation Studiendesign Analysen der Evaluation Kinder Eltern Frühpädagogische Lehrkräfte Zusammenfassung und Fazit Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
3 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeTheoretische Einführung Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
4 Zwei- und MehrsprachigkeitMehrsprachigkeit: Zustand der Beherrschung von zwei (oder mehreren) Sprachen (Bialystok, 2001) Erstsprache innerfamilial erworben und ausgebaut (Bialystok, 2001) Mehrsprachigkeit (a) landesspezifisch (z.B. Belgien, Schweiz, Spanien), (b) durch (schulischen) Fremdsprachenerwerb oder (c) Migration Mehrsprachigkeit und deren Effekte theoretisch umstritten Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
5 Theorien zur Wirkung von MehrsprachigkeitInterdependenzhypothese (Cummins, 1979, 2000) Erst- und Zweitsprache in wechselseitiger Abhängigkeit Hohe Erstsprach- notwendige Bedingung hoher Zweitsprachkompetenz Wettbewerbshypothese (z.B. Hopf, 2005) Konkurrenzverhältnis zwischen zwei (oder mehreren) Sprachen Begrenzte Zeitressourcen Ausbau und Erhalt der Erstsprache auf Kosten der Zweitsprache Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
6 Empirische Befunde zur MehrsprachigkeitVorteile Nachteile Positive Zusammenhänge mit exekutiven Funktionen Aufmerksamkeits-steuerung Arbeitsgedächtnis Metalinguistischem Bewusstsein Impulskontrolle (Calvo & Bialystok, 2014; Crivello et al., 2015; Metaanalyse: Adesope et al., 2010) Wert an sich (Persönlichkeit/Identität, globalisierte Welt…) Geringere Sprachkompetenzen in beiden Sprachen, z.B. Wortschatz, im Vergleich zu monolingualen Kindern der Sprachen (NCES, 2009; vgl. Dubowy et al., 2008) Bislang kaum empirische Hinweise von positiven Wirkungen von Erst- auf Zweitsprache (insbesondere Esser, 2006, 2009; vgl. jedoch Knigge et al., 2015) Benachteiligt im Bildungssystem durch durchschnittlich geringer ausgeprägte Sprachkompetenzen (Calvo & Bialystok, 2014; Gogolin, 2010) Überleitung Möglichkeiten um Vorteile zu Stärken Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
7 Zweisprachige BildungAnsätze Fokus auf Landessprache (Zweitsprache) Fokus auf Erst- und Landessprache Expliziter Sprachunterricht (English as a second language instruction, ESL) Inhaltsfokussierter Sprachunterricht (Content-based ESL) Kombinierter Unterricht (Sheltered Instruction, SI) Zweisprachiger Unterricht mit Übergang in Zweitsprache (Transitional bilingual education – Early-Exit, TBE) Längerfristig zweisprachiger Unterricht – Ziel Zweisprachigkeit (Developmental bilingual education, DBE) Dauerhaft zweisprachiger Unterricht – Ziel Multikulturalität (Two-way immersion, TWI) (USDOE, 2012) Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
8 Zweisprachige Bildung – Empirische BefundlageUneindeutige Forschungslage zu verschiedenen Ansätzen, tendenziell Ansatz 2 mit positiveren Effekten verbunden (z.B. August & Shanahan, 2006; Rolstad, Mahoney & Glass, 2005; Slavin & Cheung, 2005) Zentrales Element: Qualität der Programme Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
9 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabePilotprojekt in der DG Belgien Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
10 Pilotprojekt in der DG BelgienBeginn des Pilotprojekts: 1. September 2011 Konzeption im Kindergarten: Bildung bilingualer Kindergartengruppen (Deutsch und Französisch) Bildung sprachlich heterogener Lerngruppen für vollständige und frühe Immersion in Deutsch und Französisch Erstsprache der Kinder: 60.0 % der Zeit Grundlage für den bilingualen Spracherwerb: Lern- und Arbeitsmittel in beiden Sprachen Inzidenteller Spracherwerb in deutscher und französischer Sprache Begleitung durch eine Steuergruppe (Ministerium DG, Schulleitung, Frühpädagogische Lehrkräfte Deutsch, Frühpädagogische Lehrkräfte Französisch, wissenschaftliche Begleitung) Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
11 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeFragestellungen Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
12 Fragestellungen – KinderWie entwickeln sich die sprachlichen Kompetenzen von Kindern, die den zweisprachigen Kindergarten besuchen, von dem Beginn des ersten Kindergartenjahres bis zum Beginn der ersten Grundschulklasse im Vergleich zu den Kompetenzen in der jeweiligen Sprache von vergleichbaren Kindern, die monolinguale Kindergärten besuchen? Gibt es Unterschiede in der Entwicklung von personalen Kompetenzen von Kindern, die den zweisprachigen Kindergarten besuchen, von dem Beginn des ersten Kindergartenjahres bis zum Beginn der ersten Grundschulklasse im Vergleich zu den Kompetenzen von vergleichbaren Kindern, die monolinguale Kindergärten besuchen? Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
13 Fragestellungen – ElternWie zufrieden sind die Eltern mit dem Kindergarten ihres Kindes und welche Veränderungsbedarfe sehen sie? Gibt es systematische Unterschiede zwischen Eltern, deren Kinder einen zweisprachigen und Eltern, deren Kinder einen monolingualen Kindergarten besuchen? Welches sind die Gründe der Eltern, ihr Kind an einem zweisprachigen Kindergarten anzumelden? Wie ist die Einstellung der Eltern zur zweisprachigen Praxis zu Beginn des Pilotprojekts und wie entwickelt sich diese über die Zeit? Wie bewerten die Eltern den zweisprachigen Kindergarten? Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
14 Fragestellungen – Frühpädagogische LehrkräfteWie nehmen die frühpädagogischen Lehrkräfte Merkmale des Kindergartens und ihrer Arbeit wahr? Wie ist ihre Einstellung gegenüber der zweisprachigen Erziehung? Gibt es systematische Unterschiede in den Wahrnehmungen der frühpädagogischen Lehrkräfte in zweisprachigen bzw. monolingualen Kindergartengruppen? Mit welchen anderen der untersuchten Merkmale hängt die Einstellung zur zweisprachigen Erziehung zusammen? Wie entwickelt sich die Einstellung der frühpädagogischen Lehrkräfte über die Zeit? Welche Rahmenbedingungen werden von den frühpädagogischen Lehrkräften als förderlich bzw. hinderlich für die zweisprachige Arbeitsweise angesehen? Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
15 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeStudiendesign Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
16 Studiendesign mit intendierten FallzahlenGruppe Kohorte Erhebungszeitpunkte und intendierte Fallzahlen Okt 2012 Okt 2013 Okt 2014 Okt 2015 Altersgruppe J1a A1 A2 AG1 J2 J1b J1c Zweisprachig (jeweils: Erstsprache Deutsch + Französisch) 15+15 Monolingual (jeweils Deutsch + Französisch) Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
17 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeAnalysen: Kinder Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
18 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeStichproben – Kinder Deutschsprachige Kindergärten n = 58 zweisprachiges; n = 117 monolinguales Setting Substantieller Anteil von Kinder ohne Deutsch zu Hause (30.8 % bzw %) Keine Gruppenunterschiede nach Alter, Geschlecht oder Familiensprache, aber hinsichtlich des sozioökonomischen Hintergrunds Französischsprachige Kindergärten n = 59 zweisprachiges; n = 120 monolinguales Setting Substantieller Anteil von Kinder ohne Französisch zu Hause (37.5 % bzw %) Keine Gruppenunterschiede nach Alter, Geschlecht, Familiensprache oder sozioökonomischem Hintergrund Getrennte Analysen für Sprachkompetenzen; Gemeinsam für personale Kompetenzen Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
19 Instrumente – Kinder: SprachkompetenzenSprachbereich Anforderung an Kind Max. Punkte Rel. Passiver Wortschatz (PW) Deutsch bzw. Französisch aus 4 Bildern auf dasjenige zeigen, das genannt wurde 24 > .66a Sprachverständnis (VE) Deutsch bzw. Französisch mit Objekten genannte Szene darstellen 11 > .77 Aktiver Wortschatz (AW) Deutsch bzw. Französisch gezeigtes Bild mündlich benennen 21 Grammatik (GR) Deutsch bzw. Französisch Artikel für genanntes Wort mündlich benennen 15 > .90 Sprachproduktion (PR) Deutsch bzw. Französisch genannte Begriffe mündlich erklären 20 > .78 Einzelsitzungen mit den Kindern über fünf Kompetenztests Anmerkung. Die Reliabilitäten beziehen sich auf beide Sprachgruppen sowohl in Deutsch als auch Französisch und alle Messzeitpunkte (A1, A2, AG1); a Bei der Skala PW war die Reliabilität in der französischen monolingualen Gruppe etwas geringer. Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
20 Instrumente – Kinder: Personale KompetenzenKonstrukt Anforderung an Kind/ Beispielfrage Punkte Rel. Gefühlszustände erkennen Kind erkennt Emotion durch Gesichtsausdruck auf Foto 0 bis 4 > .60 Selbstständigkeit (E) Mein Kind zieht sich ohne Hilfe an. 1 bis 5 > .63 Anmerkung. (E) Elternangabe. Die Reliabilitäten beziehen sich auf beide Sprachgruppen sowohl in Deutsch als auch Französisch und alle Messzeitpunkte (A1, A2, AG1). Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
21 Deskriptive Ergebnisse – DeutschMZP Sprachbereich Zweisprachig Monolingual N M SD A1 PW 36 9.47 4.68 77 9.19 4.72 VE 31 2.03 2.55 69 2.43 2.48 AW 34 2.91 3.41 71 2.89 3.00 GR 30 3.93 3.87 68 4.91 3.48 PR 3.03 3.25 62 4.47 4.18 A2 58 12.24 5.31 93 10.89 5.33 55 4.27 3.05 90 4.43 2.78 51 5.78 4.93 4.31 3.95 50 5.74 4.38 88 5.34 3.62 49 5.53 4.44 79 7.04 AG1 23 19.39 45 18.18 7.43 3.17 4.78 1.74 10.00 43 7.12 4.50 9.61 4.54 8.13 3.67 9.30 4.32 44 10.05 + + + + GR überprüfen Anmerkung. PW = Passiver Wortschatz; VE = Sprachverständnis; AW = Aktiver Wortschatz; GR = Grammatik; PR = Sprachproduktion. Prof. Dr. Nele McElvany
22 Beispielhafter Verlauf: Passiver Wortschatz; DeutschAbbildung 1: Passiver Wortschatz über die Zeit nach Gruppen (Mittelwerte und Standardabweichungen) Anmerkung: N = 68, n = 23 zweisprachiger, n = 45 monolingualer Kindergarten Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
23 Beispielhafter Verlauf: Passiver Wortschatz; DeutschAbbildung 2: Passiver Wortschatz über die Zeit nach Gruppen (Mittelwerte und Standardabweichungen) mit für sozialen Hintergrund adjustierten Werten Anmerkung: N = 68, n = 23 zweisprachiger, n = 45 monolingualer Kindergarten Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
24 Deskriptive Ergebnisse – FranzösischMZP Sprachbereich Zweisprachig Monolingual N M SD A1 PW 39 7.77 4.71 83 7.30 2.89 VE 33 2.18 2.14 80 2.13 2.06 AW 35 1.69 2.59 76 0.93 1.46 GR 27 8.89 5.03 73 3.55 3.56 PR 26 3.27 3.53 68 1.93 3.36 A2 57 9.68 4.90 97 9.84 3.68 54 3.11 3.82 2.62 49 3.00 3.87 96 2.31 51 7.55 5.30 92 6.53 3.59 43 4.81 4.63 6.29 4.27 AG1 25 14.92 41 15.24 4.07 23 6.48 3.51 5.44 2.24 24 5.42 3.96 4.49 2.57 10.13 3.66 9.37 3.46 22 8.82 3.35 40 11.12 4.53 + + + + GR überprüfen Anmerkung. PW = Passiver Wortschatz; VE = Sprachverständnis; AW = Aktiver Wortschatz; GR = Grammatik; PR = Sprachproduktion. Prof. Dr. Nele McElvany
25 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeAnalysestrategie Latente Wachstumskurvenmodelle mit gewichteten Summenscores als Indikatoren für die Sprachkompetenzen Unterschiede im Ausgangsniveau und in der Wachstumsrate von Interesse Variablen: Kompetenzen zu A1, A2, AG1, sozioökonomischer Hintergrund (SES), Gruppe (zweisprachig; monolingual) Zwei Modelle nach Sprachen getrennt und ein Modell für die personalen Kompetenzen Behandlung fehlender Werte mit dem FIML-Algorithmus der Software MPlus Niveau Wachstum A1 A2 AG1 SES Gruppe 1 3 ? ? ? ? Die Zusammenfassung der fünf Sprachtests wurde mittels konfirmatorischer Faktoranalysen geprüft. Das Einfaktormodell „Sprachkompetenz“erwies sich dabei einem Fünffaktormodell „Einzelne Sprachkompetenzen“ als überlegen. Das angepasste Modell zeigte einen akzeptablen Fit (CFI = .87, RMSEA = .08, χ² = 28.82, df = 13, p < .05). Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
26 Ergebnisse – Kinder: Sprachkompetenzen IDeutsch – Ausgangsniveau Gleiches Ausgangsniveau zwischen den Gruppen (p = .59) Höhere Kompetenzen von Kindern aus Familien mit höherem SES (p < .05) Deutsch – Entwicklung Tendenziell signifikanter Einfluss der Gruppenzugehörigkeit zum Vorteil von Kindern im zweisprachigen Setting = höheres Wachstum (p = .06) Kein signifikanter Einfluss des SES (p = .58) Niveau Wachstum A1 A2 AG1 SES Gruppe 1 3 (+) + Animation noch nicht korrekt Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
27 Ergebnisse – Kinder: Sprachkompetenzen IIFranzösisch – Ausgangsniveau Höheres Ausgangsniveau bei Kindern im zweisprachigen Kindergarten (p < .05) Kein signifikanter Einfluss des sozialen Hintergrunds (p = .78) Französisch – Entwicklung Signifikanter Einfluss der Gruppenzughörigkeit zum Vorteil von Kindern im zweisprachigen Kindergarten = höheres Wachstum (p < .05) Kein signifikanter Einfluss des sozialen Hintergrunds (p = .55) Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
28 Ergebnisse – Kinder: Personale KompetenzenGefühlszustände Erkennen Ausgangsniveau Höheres Ausgangniveau bei Kindern in zweisprachigen Kindergärten und von Kindern aus Familien mit höherem SES (p < .05) Entwicklung Kein signifikanter Einfluss der Gruppenzugehörigkeit (p = .36) Signifikanter Einfluss des SES (p < .05) zum Vorteil von Kindern aus Familien mit höherem SES Selbstständigkeit Nicht von Setting oder SES beeinflusst Selbstständigkeit nicht von Setting oder SES beeinflusst Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
29 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeAnalysen: Eltern Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
30 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeStichprobe – Eltern 1. Kindergartenjahr (A1) 2. Kindergartenjahr (A2) 1. Grundschulklasse (AG1) Gesamtzahl 184 195 83 davon: Zweisprachig Deutsch 36 45 18 Monolingual Deutsch 60 58 17 Zweisprachig Französisch 34 42 20 Monolingual Französisch 54 50 28 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
31 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeInstrumente – Eltern Fragebogenerhebung mit Skalen zu: Zufriedenheit mit dem Kindergarten: 4 Items (u.a. mit Betreuungsleistung; Informiertheit) Wahrgenommener Veränderungsbedarf: 8 Items (u.a. Öffnungszeiten; Kosten/Elternbeitrag; Qualität und Vielfalt der Angebote; Individuelle Förderung; 1 „Kein Bedarf“– 4 „Dringender Bedarf“) Gründe für Wahl eines zweisprachigen Kindergartens: 4 Items (z.B. familiärer Sprachgebrauch) Einstellung zur zweisprachigen Praxis: 5 Items positive Aspekte (z.B. Fremdsprachenkenntnisse), 3 Items negative Aspekte (z.B. Schaden in der Entwicklung) Bewertung des zweisprachigen Kindergartens: 5 Items positive Aspekte (z.B. Koordination zw. Kindergärtnerinnen) , 4 Items kritische Aspekte (z.B. Wechsel der Kindergärtnerin), 4 Items Informationsfluss (z.B. Informationsveranstaltung) Antwortoptionen 1 „trifft überhaupt nicht zu“ – 4 „trifft völlig zu“ Reliabilitäten der Skalen zwischen .50 und .88 Negative Einstellungen: Das frühe Lernen einer Fremdsprache kann dem Kind in seiner Entwicklung schaden. Wenn Kinder sehr früh eine Fremdsprache lernen, verlangsamt das die Entwicklung in ihrer Muttersprache. Ich habe die Befürchtung, dass mein Kind durch das Fremdsprachenlernen im Kindergarten überfordert wird. Positive Einstellungen Je früher Kinder Sprachen lernen, desto leichter fällt es ihnen. Unser Kind wird Fremdsprachenkenntnisse später gut gebrauchen können. In unserer Familie betrachten wir das Erlernen von Fremdsprachen als wichtig. Wir interessieren uns für die Sprachentwicklung unseres Kindes. Wir sind zu Hause davon überzeugt, dass man mit guten Fremdsprachenkenntnissen später viel bessere berufliche Chancen hat. Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
32 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeWie zufrieden sind die Eltern mit dem Kindergarten ihres Kindes und welche Veränderungsbedarfe sehen sie? Gibt es systematische Unterschiede zwischen Eltern, deren Kinder einen zweisprachigen und Eltern, deren Kinder einen monolingualen Kindergarten besuchen? Hohe Zufriedenheit (MA1 = 3.69, SD = 0.36; MA2 = 3.67, SD = 0.42; MAG1 = 3.64, SD = 0.44) Keine Unterschiede zwischen bi- und monolingualen Kindergärten Kaum Veränderungsbedarf in den abgefragten Bereichen (MA1 = 1.73, SD = 0.60; MA2 = 1.74, SD = 0.53; MAG1 = 1.60, SD = 0.62) Tendenziell mehr Veränderungsbedarf zum 1. und 2. Kindergartenjahr in bilingualen Kindergärten 1. Kindergartenjahr: Kosten des Elternbeitrags; Verlässliches Betreuungsangebot 2. Kindergartenjahr: Individuelle Förderung Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
33 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeWelches sind die Gründe der Eltern, ihr Kind an einem zweisprachigen Kindergarten anzumelden? Graphik noch anpassen/Legende und SD Anmerkung. Skalenwerte 1 „trifft überhaupt nicht zu“ – 4 „trifft völlig zu“ Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
34 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeWie ist die Einstellung der Eltern zur zweisprachigen Praxis zu Beginn des Pilotprojekts und wie entwickelt sich diese über die Zeit? Über alle Zeitpunkte hinweg positive Einstellung der Eltern zur zweitsprachigen Bildung (MA1 = 3.84, SD = 0.31; MA2 = 3.82, SD = 0.34; MAG1 = 3.80, SD = 0.45) Tendenziell positivere Einstellungen der Eltern mit Kindern im zweisprachigen Setting zu Beginn der Kindergartenzeit (F(1, 167) = 3.78, p < .10) Über alle Zeitpunkte hinweg kaum Wahrnehmung negativer Aspekte einer zweisprachigen Bildung (MA1 = 1.57, SD = 0.59; MA2 = 1.52, SD = 0.63; MAG1 = 1.61, SD = 0.67) Keine Unterschiede zwischen Eltern mit Kindern in zweisprachigen oder monolingualen Settings Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
35 Wie bewerten die Eltern den zweisprachigen Kindergarten?1. Kindergartenjahr (A1) 2. Kindergartenjahr (A2) 1. Grundschulklasse (AG1) M (SD) Min Max Positive Bewertung 3.54 (0.42) 1.67 4.00 3.57 (0.43) 2.00 3.54 (0.46) 1.60 Negative Bewertung 2.06 (0.62) 1.00 2.00 (0.64) 3.75 2.06 (0.81) Informa-tionsfluss 3.31 (0.66) 3.33 (0.57) 1.50 3.53 (0.55) 1.33 Anmerkung: Antwortoptionen: 1 „trifft überhaupt nicht zu“– 4 „trifft völlig zu“. Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
36 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeAnalysen: Frühpädagogische Fachkräfte Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
37 Stichprobe – Frühpädagogische LehrkräfteAusgangserhebung: N = 23 weibliche Lehrkräfte n = 17 monolingualer; n = 6 zweisprachiger Kindergarten Berufserfahrung: M = Jahren (SD = 10.39). Familiensprache 39 % nur Deutsch; 22 % nur Französisch; 39 % Deutsch und Französisch Abschlusserhebung: N = 15 weibliche Lehrkräfte n = 9 monolingualer; n = 6 zweisprachiger Kindergarten Berufserfahrung: M = Jahren (SD = 8.99) 13 im Längsschnitt Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
38 Instrumente – Frühpädagogische Lehrkräfte IMerkmal Beispielitem Werte Items Kategorie 1: Qualitätsmerkmale des Kindergartens Pädagogisch motivierte Gründe für die Kindergarten-wahl „Ich würde Eltern empfehlen, ihr Kind in unserem Kindergarten anzumelden, weil ich denke, dass das pädagogische Konzept in unserem Kindergarten sehr gut ist.“ [1] trifft über-haupt nicht zu [4] trifft völlig zu 6 Sozialklima „Im Kindergarten … herrscht eine angenehme Atmosphäre.“ -“- 4 Programmatische Kooperation „Wir erarbeiten gemeinsam das Profil unseres Kindergartens.“ 5 Leistungsstärke der eigenen Kindergartengruppe „Wie schätzen Sie Ihre Kindergartengruppe im Vergleich zu anderen Kindergartengruppen ein? - unselbstständig … selbstständig“ Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
39 Instrumente – Frühpädagogische Lehrkräfte IIMerkmal Beispielitem Werte Items Kategorie 2: Persönliche, arbeitsbezogene Merkmale Belastung „Ich fühle mich im Kindergarten oft erschöpft.“ [1] trifft über-haupt nicht zu [4] trifft völlig zu 5 Berufszufriedenheit „Für mich überwiegen in unserem Beruf eindeutig die Vorteile.“ -“- 6 Erfolgserleben im Beruf „Mein bisheriges Berufsleben war recht erfolgreich.“ 4 Identifikation mit dem Kindergarten „In diesem Kindergarten bin ich gerne Erzieherin bzw. Erzieher.“ Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
40 Instrumente – Frühpädagogische Lehrkräfte IIIMerkmal Beispielitem Werte Items Kategorie 3: Einstellungen zur zweisprachigen Erziehung Negative Einstellung zur zweisprachigen Erziehung „Das frühe Lernen einer Fremdsprache kann dem Kind in seiner Entwicklung schaden.“ [1] trifft über-haupt nicht zu [4] trifft völlig zu 4 Einstellung zu Kosten „Die zweisprachige Erziehung im Kindergarten … erfordert von den Erzieherinnen und Erziehern einen zusätzlichen Zeitaufwand.“ -“- Intrinsische Motivation „Die zweisprachige Erziehung im Kindergarten … stellt eine Bereicherung des beruflichen Alltags dar.“ Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
41 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeWie nehmen die frühpädagogischen Lehrkräfte Merkmale des Kindergartens und ihrer Arbeit wahr? Wie ist ihre Einstellung gegenüber der zweisprachigen Erziehung? Anmerkung. Skalenwerte 1 „trifft überhaupt nicht zu“ – 4 „trifft völlig zu“; * p < .05, ** p < .01. Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
42 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeGibt es systematische Unterschiede in den Wahrnehmungen der frühpädagogischen Lehrkräfte in zweisprachigen bzw. monolingualen Kindergartengruppen? Anmerkung. Skalenwerte 1 „trifft überhaupt nicht zu“ – 4 „trifft völlig zu“; * p < .05, ** p < .01. Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
43 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeMit welchen anderen der untersuchten Merkmale hängt die Einstellung zur zweisprachigen Erziehung zusammen? Ergebnisse bivariater Korrelationen: Wahrnehmung erhöhter Kosten geht mit negativeren Einstellungen zur zweisprachigen Erziehung einher: r = .50 (p < .05) Intrinsische Motivation geht mit geringeren negativen Einstellungen zur zweisprachigen Erziehung einher: r = -.68 (p < .01) Erhöhten Kosten (z.B. Zeitaufwand, erschwerte optimale Förderung der Kinder) Negativeren Einstellung zur zweisprachigen Erziehung (als schädlich für die Entwicklung der Kinder, als Überforderung der Kinder oder Verlangsamung der Entwicklung der Muttersprache) Intrinsische Motivation (z.B. Wahrnehmung der zweisprachigen Erziehung als positive Herausforderung, anregend, Spaß im Umgang mit den Kindern) Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
44 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeWie entwickelt sich die Einstellung der frühpädagogischen Lehrkräfte über die Zeit? N = 13 Frühpädagogische Lehrkräfte im Längsschnitt (n = 4 in zweisprachigen Kindergärten) Einschränkung: Substantieller Anteil der Lehrkräfte ohne Beteiligung Weniger kritische Einstellungen bzgl. der Kosten bilingualer Bildung über die Zeit (Anfangserhebung: M = 2.63, SD = 0.57; Abschlusserhebung: M = 2.15, SD = 0.50; t[12] = 2.67, p < .05). Deskriptiv sich abzeichnende Verringerung der negativen Einstellungen gegenüber der zweisprachigen Erziehung nicht zufallskritisch abzusichern Stabilität der intrinsischen Motivation der Lehrkräfte Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
45 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeWelche Rahmenbedingungen werden von den frühpädagogischen Lehrkräften als förderlich bzw. hinderlich für die zweisprachige Arbeitsweise angesehen? Offene Befragung zu Gelingensbedingungen Fünf zentrale Bereiche Anzahl der Kinder pro Gruppe Situation und Anzahl der Kinder, die zu Hause weder Deutsch noch Französisch sprechen Sprachliche Qualifikation der frühpädagogischen Lehrkräfte Konzept (Vorbereitung, Begleitung) und die Planung sowie Rolle der Eltern (insbesondere bei der Abschlusserhebung) Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
46 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeZusammenfassung und Fazit Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
47 Zusammenfassung zentraler Ergebnisse: KinderZugewinn in den Sprachkompetenzen bei beiden Gruppen (Deutsch; Französisch) Tendenzielle (Deutsch) oder signifikante (Französisch) positive Wirkung des Besuchs eines zweisprachigen Kindergartens auf die sprachliche Entwicklung zwischen Kindergarteneintritt und Grundschulübergang Keine Effekte des Settings (zweisprachig; monolingual) auf untersuchte personale Kompetenzen Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
48 Zusammenfassung zentraler Ergebnisse: ElternHohe Zufriedenheit und Wahrnehmung geringer Veränderungsbedarfe in Bezug auf die Kindergärten der DG Belgien Wichtigste Gründe für Wahl des zweisprachigen Settings: Bedeutung von Fremdsprachenkenntnissen und allgemeine Entwicklungsförderlichkeit Sehr positive Einstellung gegenüber zweisprachiger Bildungspraxis und der zweisprachigen Kindergartengruppen Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
49 Zusammenfassung zentraler Ergebnisse: Frühpädagogische LehrkräftePositive Bewertung der Qualitätsaspekte der Kindergärten und günstige Einstellungen und Motivation Erwartungskonforme Zusammenhänge von hoher Motivation, positiver Einstellung und geringer Wahrnehmung von Kosten Positive Entwicklung von Motivation und Einstellungen Zentrale Gelingensbedingungen: Ressourcen und Konzept vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in der DG Belgien Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
50 Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska SchwabeFazit Positives Gesamtbild des Pilotprojekts Keine negative Wirkung bei den erhobenen Merkmalen Positive Wirkung für die Sprachkompetenzen Hohe Zufriedenheit der Eltern Zentrale Herausforderungen für die Zukunft Adäquate Berücksichtigung der (mehr-)sprachlichen Hintergründe der Kinder Umgang mit sozialen Ungleichheiten (SES-bedingt) Ausschöpfung der Potentiale der Elternpartizipation und systematische Integration in das Gesamtkonzept Verzahnung von vorschulischer und schulischer zweisprachiger Bildungspraxis Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
51 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Wir freuen uns auf Ihre Fragen. Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
52 Beispielhafter Verlauf: Grammatik; DeutschAbbildung 3: Passiver Grammatik über die Zeit nach Gruppen (Mittelwerte und Standardabweichungen) Anmerkung: N = 68, n = 23 zweisprachiger, n = 45 monolingualer Kindergarten Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe
53 Beispielhafter Verlauf: Grammatik; DeutschAbbildung 4: Grammatik über die Zeit nach Gruppen (Mittelwerte und Standardabweichungen) mit für sozialen Hintergrund adjustierten Werten Anmerkung: N = 68, n = 23 zweisprachiger, n = 45 monolingualer Kindergarten Prof. Dr. Nele McElvany & Dr. Franziska Schwabe