Ignacio Ellacuría.

1 Ignacio Ellacuría ...
Author: Erika Giese
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1 Ignacio Ellacuría

2 Biographisches Ignacio Ellacuría SJ * in Spanien; Mit 16 SJ; 1949 San Salvador: Noviziat Innsbruck Karl Rahner 1961 Priesterweihe : Dr. phil. Complutense : “Die Prinzipialität des Wesens bei Xavier Zubiri” 1967: Prof. f. Phil. 1968 Impulse Medellín CELAM ab 1968 Mitarbeiter im Rektorat der Universidad Centroamericana Gründung der Zeitschrift Estudios Centroamericanos Ermordung von EB Oscar Arnulfo Romero, danach verlässt E. das Land; in Spanien gibt er das Werk Zubiris heraus. Ermordung mit 5 anderen Jesuiten, Haushälterin und Tochter

3 Erste Kennzeichnen seiner Philosophie:Philosophieren als Grundhaltung (Sokrates): Ein Leben ohne Philosophieren ist kann Leben. Polis-Politik-Verhaftung der Philosophie bei Sokrates als prinzipielle Form der Philosophie: Die praktische Orientierung widerspricht nicht ihrer theoretischen Ausrichtung. Kritischer Charakter der Philosophie: Sie bietet nicht nur ein Wissen über die Dinge, wie sie sind, sondern wie sie sein sollen, wie sie falsch oder richtig sind. Sie liefert Lösungsansätze für soziale, politische und ökonomische Probleme

4 Vier Phasen der Phil. E.s Thomismus, Neuscholastik: E. findet in ihr die wichtigsten Themen, sympathisiert aber mit Existenzialismus und Lebensphilosophie Xavier Zubiri: gegenüber Idealismus und Realismus entwickelt er einen offenen, transzendenten materialistischen Realismus Phil. der Geschichte, der geschichtlichen Wirklichkeit; Auseinandersetzung mit Hegel und Marx

5 Vier Phasen der Phil. E.s Phil. der Befreiung: als Reflexion über das und mit dem Subjekt des Befreiungsprozesses: mit den Armen, Ausgebeuteten. Diese Phil steht daher nicht außerhalb des Befreiungsprozesses, sondern in ihm, gehört zu ihm.

6 Xavier Zubiri 1898 *San Sebastián - 1983 + MadridSchüler von José Ortega y Gasset und Martin Heidegger Professor für Philosophiegeschichte in Barcelona Privatgelehrter in Madrid

7 Kennzeichen der Phil. von ZubiriZ. befürwortet einen materialistischen Realismus in metaphysischer Perspektive, weil alle Realität materiell erscheint. Epistemologisch: weil die Realität sinnenhaften empfunden wird. Weil alle Dinge füreinander offen sind, spricht Zubiri von einer Offenheit der Welt. Wegen dieser Offenheit ist sie begrifflich nicht zu fassen. Diese unfassbare Offenheit wird von Z. als Transzendentalität der Realität begriffen: sie verweist über sich hinaus. Der Mensch ist der Ort dieser Offenheit; seine Prinzipien für die Offenheit sind die der Welt. Diese Offenheit des Menschen zielt schließlich auf Gott.

8 Von E. hrsg. Werke ZubirisInteligencia sentiente. Madrid 1980 Inteligencia y Logos. Madrid 1982 Inteligencia y razón. Madrid 1983

9 Das Objekt der Phil. nach ZubiriIst diese Einheit der Wirklichkeit real oder begrifflich? Werden die Dinge durch den Bezug auf diese Einheit aussprechbar? Diese Einheit soll zugleich das Wirklichere der Wirklichkeit sein.

10 Moralische Einheit

11 Begriffseinheit: Büroartikel

12 Hegel – Marx Einheit der phil. Objekts bei Hegel und Marx:Beide verstehen die Einheit des phil. Objekts als etwas Realistisches, nämlich als Geist bzw. als Materie.

13 Zubiri / Ellacuría: Einheits-DynamikDie Realität ist in ihrer Gesamt ein Prozess (des Geistes, der Materie). Die Einheit der Realität ist dynamisch, prozessual.

14 Innerweltliche EinheitZ. rezipiert weder Hegels Pantheismus noch Marx‘ Atheismus. Die Einheit des phil. Objekts wird zwar unter Herausnahme Gottes erreicht, d.h. die Einheit des phil. Objekts ist die Einheit der innerweltlichen Realität. Dennoch kennt Z. eine Offenheit auf das Transzendente hin, als Frage, als Verweis. (vgl. anders Wolfhart Pannenberg)

15 Gott als Woraufhin der Realität. Gott als Einheit und GanzheitGott als Woraufhin der Realität Gott als Einheit und Ganzheit konstituierende Wirklichkeit Zubiri Pannenberg

16 Erläuterungen zu: Das Objekt der PhilosophieAristoteles / Thomas v. Aquin: die konkrete Substanz (Wesen einer Sache) Augustinus / Descartes: si enim fallor, sum; „Suche nicht draußen! Kehre in dich selbst zurück! Im Innern des Menschen wohnt die Wahrheit.“ / Cogito, ergo sum. Scotus / Wolff: ens als Grundbegriff Gott und Welt umfassend Kant: „Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, so fern diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt.“

17 Ellacuría: Thesen zum Objekt der Phil.1. Einheit der Welt durch eine wesenhafte Relationalität der Dinge. Kein Monismus. (Einheit als Bestimmung der Dinge, nicht als Begriff) 2. Der dynamische Charakter der innerweltlichen Wirklichkeit und ihrer Einheit ist ihr selber eigen und nicht auf eine externe Ursache zurückzuführen. Durch diese Bewegung ist alles aufeinander bezogen, eine Einheit. (vgl. Evolution)

18 Thesen zum Objekt der Phil.3. Diese Bezogenheit aufeinander hat dialektischen Charakter, den der Negation (Ich bin nicht die Anderen). Gleichzeitig schränkt E. dieses Prinzip ein bzw. er erweitert es hin zu einer positiven Negation durch etwas Positives (Liebe überwindet Hass.)

19 Thesen zum Objekt der Phil.4. Die dialektische Dynamik der Wirklichkeit beschreibt einen ansteigenden Prozess, in dem jeweils höhere Formen der Wirklichkeit entstehen: Materie  empfindendes Leben  Geist  Gesellschaft / Geschichte). Zentral: die Neuartigkeit des Lebens, der Geschichte.

20 Thesen zum Objekt der Phil.5. Die geschichtliche Wirklichkeit als Objekt der Phil. E. gilt die geschichtliche Wirklichkeit als höchste Realitätsform. Diese Realität wird getan, gemacht, ist Verwirklichung der Dinge.

21 5. These In Abwandlung von Giambattista Vicos (1668 – 1744) Sentenz „verum esse ipsum factum“ sieht E. eher eine Äquivalenz von „verum“ und „faciendum“ gegeben. D.h., auch die Wahrheit ist nicht eine in der Vergangenheit gemachte, geschehe, sondern sie ist zu tun, man hat sie zu geschehen lassen. Wahrheit ist, was sich im Handeln des Menschen über ihn selbst und seine Welt offenbar: ist das, was die Geschichte zeigt, offenbart.

22 Wahrheit als Befreiungs-TatDieses Tun der Wahrheit ist eine Tat der Befreiung: der Materie auf Leben hin, des Lebens auf Empfindung und Geist hin, des Einzelnen auf Gemeinschaft hin. Die apriorische Ganzheit und Offenheit der Geschichte schließt auch Gott nicht aus ihr aus.

23 Diskussion der Tradition (auf der Linie Zubiris)Gegen Idealismus in der Metaphysik, gegen einen eindimensionalen Materialismus, gegen die Wende zum Subjekt, gegen eine Logifizierung der Intelligenz gegen eine Entifizierung der Realität setzt Z. auf  eine fühlende, empfindende Intelligenz (inteligencia sentiente ), die offen ist für die Realität.

24 Logifizierung der Intelligenz= Identifikation des prädikativen Logos einer Sache (quidditas, Washeit). Andere Formen des Wissens bleiben ausgeblendet. Auch Kants Ansatz wird kritisch gewertet, weil er das wissenschaftliche Bewusstsein als Maßstab des Erkennens etabliert und damit eine Vielzahl anderer Erkenntnismöglichkeiten ausblendet. Eine ähnliche Kritik trifft Husserl (Wesenserkenntnis ohne Einwurzelung in der Realität) und selbst noch Heidegger. Das Rezept lautet: die Einheit von Erkennen und Empfinden = Logifizierung der Intellegenz soll durch eine Inteligisierung des Logos überwunden werden.

25 Polarforscher: Julius Payer u. Karl Weyprecht

26 Entifizierung der Realität= Verdrängung der Realität durch das Sein und das Seiende. Das Sein wird als das Ersterkannte definierte und darum die Realität vom Sein aus verstanden, als Modus des Seins betrachtet. Realität sei demnach Entität. Ungenügende Positionen: esse reale, esse percipi, esse concipi.

27 Primat der Realität vor dem SeinRealität ist keine Unterart des Seins, sondern das Sein ist ein späterer, auf den Menschen bezogener Akt der Realität. Die („frühere“) Aktualität des Realen ist auch ohne den Menschen gegeben. Es gilt die Verwurzelung des Seins in der Realität zu bedenken. Die Entifizierung des Realen soll durch eine Reifizierung des Seins überwunden werden.

28 Inteligencia sentienteEmpfindende Einsichtskraft: sie nimmt das Reale in der Impression wahr. In der Impression zeigt sich das Reale formal bestimmt als ein „von sich“ aus (de suyo). Die Sinne geben uns diese Realität. Empfinden und Wahrnehmen sei ein einzige Erkenntnisakt.

29 Empfindende IntelligenzZubiri räume nach E. zwar ein, dass nach klass. Erkenntnismetaphysik auch die Bezogenheit von Sensibilität und Intellekt gedacht wurde, jedoch habe man gleichzeitig diese Einheit zerschnitten, indem man die Erkenntnis mit einem exklusiven Akt des Intellekts gleichsetzte. Die Sinne liefern aber nicht bloß Daten, sondern präsentieren uns die Realität, lassen den Menschen sich die Dinge versenken. Es gibt keine reine Vernunft, keinen reinen Logos, nur eine empfindende Intelligenz. „Erkennen ist eine reine Aktualisierung des Realen in der empfindenden Intelligenz.“ Z ./ E.

30 „Respektivität“ Die Einheit von Intelligenz und Realität wird von Z. und E. nicht als Wahrheits-Relation gedeutet, sondern als Respektivität. Die Relation würde als dritte Größe zwischen zwei anderen stehen. Demgegenüber betonen Z. und E. die allen Beziehungen vorausliegende und diese begründende Einheit der Realität: Auf diese Einheit schaut man im Erkennen gleichsam zurück (respicere); das Erkennen ist ermöglicht, weil die Realität im impressionalen Erkennen auf sich zurückschaut.

31 Phasen des Erkennens „Das menschliche Erkennen ist formal reine Aktualisierung des Realen in der empfindenden Intelligenz“ Diese Aktualisierung hat drei Momente: Affizierung durch das Empfundene – noetisch Präsentation des Andern in seinen Eigenschaften – noematisch Die sich aufdrängende Kraft der Eigenschaften – noergisch.

32 Dreiphasiger Prozess des Erkennens (nach den drei Bänden Zubiris):Primordiale Wahrnehmung – inteligencia y realidad Logos als Erklärung, was ein Ding in Bezug auf andere ist - Inteligencia y logos Vernunft als Erklärung, was und warum Dinge sind - Inteligencia y razón.

33 Ethik des Erkennens, der Begegnung mit der RealitätE. kennt drei Weisen der Begegnung von Mensch und Dingen: El hacerse cargo de la realidad – Verstehen der Realität (Erkenntnis, verum) El cargar con la realidad – Verantwortung übernehmen für die Realität (Ethik, bonum) El encargarse de la realidad – Sorge um die Realität (Handlung, actio, praxis)

34 BefreiungsphilosophieBegründung der Freiheit: Freiraum für menschliche Freiheit gibt es in einem Naturgeschehen, dass weder in physikalischer noch in biologischer Hinsicht rein deterministisch ist (Heisenberg, Planck: statistisches Verständnis der Naturgesetze).

35 Begründung der Freiheit:Auch in der Biologie, die notwendigen Gesetzen folgt, spielt der Zufall eine große Rolle. In der Natur sind demnach Notwendigkeit und Zufall aufeinander bezogen. Physik und Biologie geben daher einen ersten Hinweis auf die Unberechenbarkeit der Geschichte, in der sich dennoch die Gesetze der Natur manifestieren. „Die Geschichte kann nicht die Negation der Natur sein und die Freiheit nicht die Vernichtung der Notwendigkeit.“ Das Notwendige wird in die Freiheit aufgenommen.

36 BefreiungsphilosophieIm Menschen kommt die Offenheit der Natur zu sich: sie wird Freiheit. Diese Freiheit setzt Geschichte. Die Geschichte ist Befreiung von der Natur, jedoch nicht deren Negation. Die Natur ist in der Geschichte „aufgehoben“. Der ganze Prozess der Natur ist ein Prozess der Befreiung, der zu einer naturalisierten Freiheit führt. Die Emergenz der Freiheit signalisiert eine Verwirklichung der Wirklichkeit als historischer Wirklichkeit. Die Geschichte ist das Reich der Freiheit in einem Prozess der Befreiung.

37 Grundlage der BefreiungsphilosophieDie Befreiungsphilosophie hat mithin eine metaphysische Grundlage; sie gründet im Dynamismus der Natur, die zuletzt in der Geschichte zu Tage tritt. Ziel des Menschen ist die Verwirklichung seiner Freiheit.

38 Ausgangspunkt und Ziel der Befreiungsphilosophie= der konkrete Kontext: Unterdrückungsmechanismen. Auf diese Realität ist die Phil bezogen, und zwar kritisch und schöpferisch: gegenüber der Politik und der herrschenden Ideologie. Die Ideologie legitimiert das Ungerecht. Phil dient der Entideologisierung. Schöpferisch: die Wirklichkeit soll gezeigt werden, wie sie ist: ohne ideologische Deformation. Suche nach Alternativen.

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